Fragerunde Nr. 53 - Derek Ross
Zur Person
Derek Ross arbeitete vor seiner intensiven Beschäftigung mit Bitcoin über 20 Jahre als Informatiker, vor allem als Systems Administrator, und war zudem ein bekannter Blogger in der Mobile-Technologie-Szene. Früher ein passionierter Nutzer traditioneller Social Media, entdeckte er Bitcoin, wurde zum überzeugten HODLer, Miner und Node-Betreiber. Ende 2022 lernte er Nostr durch einen Tweet von Jack Dorsey kennen und wurde rasch einer der frühesten und aktivsten Nutzer dieses dezentralen Protokolls. Er gründete NostrPlebs.com, die erste „Nostr-Verifizierung“, das NIP-05-Identifikatoren anbietet, und entwickelte zahlreiche Apps wie NostrNests (für Voice-Chats), YakBak (Sprachnachrichten), Zappix (Bilder) und einige mehr. Heute ist Derek als Developer Relations bei Soapbox tätig, Co-Founder der Grow Nostr Initiative und ein gefragter Speaker auf Konferenzen wie BTC Prague oder Baltic Honeybadger, wo er als „Nostr-Evangelist“ gilt. Zusammen mit seiner Co-Host-Partnerin Heather Larson moderiert er den wöchentlichen Podcast Soapbox Sessions, in dem sie Themen wie Nostr, AI und den Aufbau eines dezentralen Internets besprechen. Derek sieht in der Kombination aus Nostr und Bitcoin – etwa durch Lightning-Zaps – die Basis für ein freies, zensurresistentes Internet und eine echte kreislauffähige Bitcoin-Ökonomie.
Derek Ross hat mir seine Antworten über den Messenger Signal zukommen lassen, die Kontaktaufnahme erfolgte über Nostr.
1. Wer oder was hat dich auf Bitcoin aufmerksam gemacht?
2009 steckte ich tief in World of Warcraft. Ein Gildenkollege erwähnte dieses neue Ding namens Bitcoin, und ich beschloss, es auszuprobieren. Ich habe für ein paar Monate auf meinem Gaming-PC gemined und erinnere mich daran, dass ich tatsächlich einige Coins erhalten habe. Damals schien das alles ziemlich cool, aber ich habe mich nie näher damit beschäftigt, was Bitcoin eigentlich ist. Alles, was ich wusste, war, dass es mein Büro unbequem heiß machte, und ich musste das Mining unterbrechen, wann immer ich spielen wollte, was damals ziemlich oft der Fall war. Schließlich habe ich alles deinstalliert und die Festplatte gelöscht. Diese Festplatte ist längst weg und auch die frühen Bitcoins sind Geschichte.
2. Wer hat dir am Anfang am meisten Bildung zu dieser Entdeckung vermitteln können?
Ich kann das nicht nur einer Person zuschreiben. Es war eher eine Gemeinschaftsleistung. 2020 begann ich, mich intensiver mit Bitcoin zu befassen, nachdem ich einige seltsame Verschiebungen in der globalen Geldpolitik bemerkt hatte. Diese Neugier zog mich direkt in das Bitcoin-Kaninchenloch. Auf dem Weg habe ich unzähligen Bitcoin-Maxis auf Twitter und in Podcasts zugehört und „The Bitcoin Standard“ von Saifedean Ammous gelesen. Gemeinsam haben diese Stimmen und Ideen meine Sichtweise auf Geld und die Welt völlig neu geformt.
3. Wann hast du angefangen Bitcoin ernst zu nehmen?
Anfang 2021, nachdem ich mich 2020 tiefgehend mit Bitcoin beschäftigt hatte, schlug ich denselben Weg ein wie viele Neuankömmlinge. Ich begann, Shitcoins zu erkunden, dem Hype zu folgen und schnelle Gewinne zu jagen. Aber mit der Zeit verstand ich, was Bitcoin wirklich darstellt: solides, souveränes Geld. Sobald das Klick gemacht hatte, hörte ich auf, nach „dem nächsten großen Ding“ zu suchen, und konzentrierte mich ausschließlich auf Bitcoin.
4. Wohin wünschst du dir, dass sich unsere Gesellschaft durch Bitcoin entwickeln könnte?
Ich möchte, dass sich die Gesellschaft in Richtung wahre Freiheit und persönliche Verantwortung bewegt. Eine Welt, in der Menschen ihr Geld, ihre Daten und ihre Identitäten tatsächlich besitzen. Bitcoin gibt uns diese Grundlage. Es geht nicht nur darum, Geld zu reparieren; es geht darum, die Beziehung der Menschen zur Macht zu reparieren. Ich hoffe, dass Bitcoin hilft, eine Zukunft zu bauen, die auf Ehrlichkeit, Transparenz und freiwilligem Austausch basiert; eine Zukunft, in der Vertrauen verdient wird und nicht erzwungen, und in der Individuen befähigt werden, frei zu leben, ohne um Erlaubnis bitten zu müssen.
5. Wo siehst du deine Aufgaben auf diesem Weg?
Meine Rolle ist es, andere zu bilden, zu inspirieren und einzuführen, um den Weg zur Freiheit durch Bitcoin und Dezentralisierung zugänglicher und menschlicher zu gestalten. Ich sehe mich als Brücke zwischen der Technologie und den Menschen, die dabei hilft, zu verstehen, warum das alles wichtig ist – nicht nur, wie es funktioniert. Ob durch das Entwickeln von Tools, das Führen von Gesprächen oder das Erstellen von Inhalten: Mein Ziel ist es, anderen zu ermöglichen, ihre Souveränität zurückzugewinnen, sich über offene Systeme zu verbinden und diese Bewegung von der Basis aus wachsen zu lassen, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.
6. Wo nimmst du die Energie für deinen Antrieb her?
Meine Energie kommt aus einer tiefen Leidenschaft für Freiheitstechnologie und dem echten Wunsch, anderen zu helfen, sie selbst zu erleben. Zu sehen, wie Menschen die Kraft der Selbstsouveränität entdecken – in dem Moment, in dem sie begreifen, dass sie ihr Geld, ihre Identität und ihre Stimme wirklich selbst besitzen können –, das ist es, was mich antreibt. Jedes Mal, wenn jemand aus zentralisierten Systemen ausbricht oder über Freiheitstechnologie echte Gemeinschaft findet, erinnert mich das daran, warum diese Mission so wichtig ist. Dieser Funke der Selbstermächtigung ist ansteckend und gibt mir jeden einzelnen Tag neue Kraft.
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